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Stockende Fortschritte mit der neuen Tarifstruktur

Die Leistungserbringer reagieren auf Verzögerungen in den Tarifstrukturverhandlungen mit sachlichen Argumenten und Datenerhebungen. Die Akzeptanz der neuen Tarifstruktur für Physiotherapie ist jedoch ungewiss und die Geduld der Leistungserbringer wurde im 2015 einmal mehr auf die Probe gestellt.

Die gültige Tarifstruktur für die ambulanten Leistungen der Physiotherapie bildet den klinischen Alltag nicht mehr vollständig ab. H+ hat deshalb zusammen mit physioswiss, dem grössten Verband der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten der Schweiz, bereits im Frühjahr 2013 die Absicht bekundet, den Tarif zu aktualisieren. Anschliessend hat H+ die Partner gesucht, mit denen die besten Erfolgsaussichten für Vertragsabschlüsse bestehen. 2015 haben alle Leistungserbringerverbände (H+, physioswiss und der Schweizerische Verband freiberuflicher Physiotherapeuten ASPI) sowie die Krankenversicherungsverbände santésuisse und curafutura gemeinsam Verhandlungen über die neue Tarifstruktur aufgenommen.

Zeitbezogene Leistungsabbildung unerlässlich

H+ hat mit den Krankenversicherern zwar weiterhin einen gültigen Tarifstrukturvertrag und einige H+ Mitglieder haben 2015 auch neue Taxpunktwerte verhandelt. Nichtsdestotrotz haben sich technische Arbeitsgruppen der Tarifpartner – weitgehend erfolgreich – an den Revisionsarbeiten beteiligt. Ziel ist, die veränderte Situation in der ambulanten physiotherapeutischen Leistungserbringung möglichst sachgerecht in der zukünftigen Tarifstruktur darzustellen. Dabei hat sich vor allem gezeigt, dass Handlungspauschalen, welche die Leistungen pauschal und ohne Bezug zur aufgewendeten Zeit abgelten, die zunehmend komplexeren physiotherapeutischen Leistungen immer schlechter abbilden können. Allen Beteiligten war deshalb klar, dass die Anpassung in Richtung einer zeitlichen Abbildung in den Tarifpositionen erfolgen muss. Die Verhandlungspartner einigten sich auf sechs zeitorientierte Hauptleistungen für die Behandlungssituationen in der Einzeltherapie, der medizinischen Trainingstherapie und der Gruppentherapien sowie rund ein Dutzend Zuschlagsleistungen. In den Zuschlagsleistungen werden der erhöhte Bedarf an physiotherapeutischem Personal oder der Bedarf an besonderer Infrastruktur unterschieden. Einheitlich geregelt wird auch das in der Behandlung verbrauchte Material.

Grosse Hürden bei der Kostenermittlung

Als sehr zeitintensiv hat sich die Bewertung der Tarifpositionen erwiesen. Eine Schwierigkeit liegt darin, die tatsächlich anfallenden Kosten für physiotherapeutische Leistungen so zu ermitteln, dass alle Leistungserbringer – von der teilzeitbesetzten Einzelpraxis bis zum Ambulatorium mit mehreren Dutzend Angestellten – sowie die Versicherer hinter den Kosten stehen können. Zudem liegen die Ansichten über den sachgerechten Aufwand für Weiterbildung, Dokumentation und Berichtswesen teilweise weit auseinander. Die Knackpunkte ähneln stark jenen bei anderen Tarifstrukturen und die Verhandlungen werden genauso hartnäckig geführt. H+ bemängelt in diesem Zusammenhang, dass nicht alle Tarifpartner gleich offen und lösungsorientiert aufgetreten sind. Besonders die Versicherer liessen keine Zweifel offen, dass die Leistungserbringer in der Pflicht sind, ihre Anpassungswünsche in der Tarifstruktur mit Daten zu beweisen, ohne aber ihre eigenen Forderungen mit Fakten zu untermauern. Zudem stellten die Krankenkassenvertreter im Laufe der Verhandlungen immer höhere Anforderungen an die Kostendaten. Im Verlauf des Projekts kam es auch immer wieder zu Rückkommensanträgen, welche bereits erreichte Projektfortschritte in Frage stellten.

Aufgrund dieser Erschwernisse ist es nicht sicher, ob das wiederkehrend geäusserte Bekenntnis zur neuen Tarifstruktur letztlich mit Vertragsabschlüssen besiegelt werden kann. Ziel von H+ bleibt, dass die neue Struktur bis Mitte 2016 vereinbart werden kann.